Buch planen leicht gemacht: Losschreiben und Daumen drücken?
- 23. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Schreibst du einfach drauflos oder hast du einen Plan?
Diese Frage bekomme ich oft gestellt, und die ehrliche Antwort lautet: Es ist ein bisschen von beidem. Aber je mehr ich schreibe, desto mehr merke ich, wie wertvoll ein Konzept beim Buch planen ist.
Denn hinter jeder guten Geschichte stecken ein paar grundlegende Fragen. Die klassischen W-Fragen helfen nicht nur beim Journalismus, sondern auch beim Schreiben von Romanen: Wer? Was? Warum? Wo und wann? Wie?

Wer? – Deine Charaktere
Buchcharaktere sind wie wir: bunt, facettenreich und einzigartig. In Geschichten treffen diese unterschiedlichen Persönlichkeiten schließlich aufeinander. Von Helden und Antagonisten über Side-Kicks bis hin zu weisen Beratern – jede Figur bringt ihre eigene Perspektive mit.
Steckbriefe sowie die Beantwortung charakterbildender Fragen erstelle ich für jeden relevanten Charakter. Wie könnte ich denn sonst über jemanden schreiben, wenn ich die Person nicht kenne? Sie werden dadurch automatisch ein Teil von dir, und je nachdem, aus welcher Perspektive du schreibst, schlüpfst du in ihre Rolle hinein: Du sagst, was sie sagen, du denkst, was sie denken, du fühlst, was sie fühlen.
Was mir besonders wichtig ist: Mein Held oder meine Heldin macht eine Reise durch. Eine innere und äußere Entwicklung. Die Figur nutzt ihre Stärken, stellt sich ihren Ängsten, kämpft sich durch Herausforderungen und kann am Ende auf eine echte Veränderung zurückblicken. Eine interessante Charakterentwicklung ist für mich das Herz einer Geschichte.
Was? – Die zentrale Aufgabe
Das „Was“ ist die zentrale Aufgabe, die deinem Protagonisten oder deiner Protagonistin auferlegt wird. Sie gibt den Handlungsstrang vor und sorgt dafür, dass wir als Leser mitfiebern.
Ein paar bekannte Beispiele:
Frodo muss den Ring zerstören.
Katniss muss die Hungerspiele überleben.
Mulan muss sich als Mann ausgeben, um China zu verteidigen.
Das „Was“ ist also das Ziel. Es ist der Motor der Handlung.
Warum? – Die Motivation
Warum riskiert eine Figur alles? Warum verlässt sie ihre Komfortzone? Warum kämpft sie weiter, obwohl es schwer wird? Ohne ein „Warum“ ist das „Was“ bedeutungslos.
Alle spannenden Charaktere treibt etwas an. Manchmal ist es eine höhere Macht von außen, manchmal der innere Wunsch, einen geliebten Menschen zu beschützen oder sich selbst zu beweisen.
Genau diese Motivation macht Figuren greifbar. Und sie ist oft das, was Leser wirklich fesselt.
Wo und wann? – Welt und Setting
Jede Geschichte spielt in einem eigenen Universum. Ob real oder fiktiv, Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft: Ort und Zeit geben deiner Geschichte Charakter und Bedeutung.
In Der Fall ins Blaue spielt Island eine große Rolle. Das Land aus Eis und Feuer verstärkt mystische und dramatische Momente und vermittelt zugleich Freiheit und Einsamkeit.

Kleiner Spoiler: Mein aktuelles Buchprojekt spielt in Österreich. Zwischenzeitlich dachte ich auch an den Schwarzwald als Schauplatz, habe diese Idee aber wieder verworfen.
Das Setting beeinflusst die Geschichte oft stärker, als man zunächst denkt. Deswegen sollte auch dieses durchdacht sein.
Wie? – Der Schreibprozess
Und dann kommt das „Wie“. Das ist der Teil, wo die Magie passiert. Hier geht es um deinen Stil, deine Szenen, deine Dialoge, dein Tempo. Um all das, was deine Geschichte lebendig macht.
Mehr Details zu meinem konkreten Schreibprozess teile ich in einem nächsten Beitrag.
Der Spannungsbogen – Die emotionale Reise
Eine gute Geschichte ist immer auch eine emotionale Reise. Voller Spannung, Wendungen und Momente, die nicht glatt laufen.
Der Spannungsbogen einer Heldenreise sieht etwa so aus:
Startpunkt: Wo sind wir, was passiert?
Höhepunkt: Erste Erfolge, bevor es unerwartet bergab geht.
Tiefpunkt: Die Figur glaubt, am absoluten Tief angekommen zu sein.
Wende & Finale: Die Figur rappelt sich auf und stellt sich dem Showdown.
Diese Höhen und Tiefen machen Geschichten lebendig. Wenn du einen Plan verfolgst, weißt du genau, an welcher Stelle deiner Geschichte du (oder besser gesagt, dein Held) dich gerade befindest.

Warum kann ein Konzept beim Buch planen helfen?
Nachdem ich Ideen gesammelt und die Basis für meine Geschichte geschaffen habe, skizziere ich mir gerne den Ablauf. Ich schreibe die gesamte Story herunter und breche sie tabellarisch in Kapitel auf. Es kann sein, dass ich mal von diesem Plan abkomme, aber er ist ein Anker, auf den ich jedes Mal zurückkommen kann, wenn ich eine falsche Abzweigung genommen habe.
Vielleicht gibt es Genies, die komplett konzeptfrei, ohne Plotlücken, logisch und mit rotem Faden schreiben können. Ich gehöre definitiv nicht dazu.
Ein Konzept mit Storyline und ausgearbeiteten Charakteren hilft, die eigene Geschichte wirklich zu verstehen. So nimmst du deine Leser mit und verlierst sie nicht auf dem Weg.
Dein Plan bietet dir Orientierung, sodass du dich voll und ganz auf den kreativen Part der Arbeit konzentrieren kannst.
Der Weg ist das Ziel
Sind deine W-Fragen geklärt, kannst du dich ganz auf das „Wie“ konzentrieren. Und das ist oft der Teil, der am meisten Spaß macht (und gleichermaßen zum Haare raufen sein kann).
Letzten Endes ist Schreiben kein Sprint, sondern ein Weg mit all den Umwegen, neuen Ideen und überraschenden Entwicklungen. Und genau das macht es so besonders.




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