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Schreibheft

Schreibblockade lösen: Was mir hilft, wenn die Worte fehlen

17. Sept.
4 Min. Lesezeit

Es gibt diese Momente, in denen man vor dem Laptop sitzt und eigentlich genau weiß, das passieren soll. Dennoch kommt kein vernünftiger Satz zustande.


Schreibblockaden gehören zum Schreiben dazu – vielleicht ist es einfach die Erinnerung daran, dass wir keine Maschinen sind. Manche von ihnen dauern nur einen Abend an, andere Tage und dann kann es auch mal vorkommen, dass es länger dauert, bis man den Zugang zur eigenen Geschichte wiederfindet.


Über die Zeit habe ich ein paar Dinge gefunden, die mir dabei helfen, wieder ins Schreiben zu kommen.


1. Weg vom Laptop und eine Runde spazieren


Oft ist das Problem gar nicht die fehlende Idee, sondern dass ich versuche, den Schreibfluss zu erzwingen. Dann ist der erste Impuls: rausgehen.


Beim Spazierengehen, ohne Musik oder Podcast im Ohr, können Gedanken frei wandern. Dabei will ich gar nicht aktiv darüber Nachdenken, wie ich eine bestimmte Szene lösen könnte, sondern einfach mal alles loslösen, was mich festzuhalten scheint.

Blick nach oben im Wald
Waldbaden statt vor der Tastatur zu verzweifeln.

Nicht zuletzt kommen Geistesblitze, wenn man sie am wenigsten erwartet, wie etwa unter der Dusche.


2. Etwas schreiben


Wenn die eigentliche Geschichte nicht fließen will, schreibe ich manchmal trotzdem. Nur eben etwas anderes.


Gedanken, eine Beobachtung oder Dinge, die mir an der Geschichte gerade noch nicht ganz schlüssig erscheinen. Es muss weder gut sein noch später irgendwo Verwendung finden.


Es geht mir darum, den Schreibfluss anzuregen. Der Anspruch, dass jeder Satz sofort Teil meines Manuskripts sein muss, verschwindet und irgendwann findet mein Kopf häufig von allein zurück zur Geschichte.


Frau schreibt etwas am Tisch
Warum fühlt es sich so anders an, in ein Notizbuch zu schreiben?

Aus einer Masterclass mit Dan Brown nahm ich einen Tipp mit, den ich auch gerne anwende: einfach mal eine 180 Gradwende einlegen und den Handlungsstrang in die entgegengesetzte Richtung drehen.


Was mir in der Vergangenheit auch schon geholfen hat war, Abflogen und Zusammenhänge auf einem Blatt Papier zu sammeln und sie mit einem Stift und einer Art Mindmap in die richtige Reihenfolge zu bringen. Generell schwöre ich auf Stift und Papier - wenn es auch nur eine Abwechslung zum Laptop darstellt.


3. In Lieblingsbüchern blättern


Vor allem dann, wenn ich weiß, was ich schreiben möchte, mir aber die Worte fehlen, greife ich gerne zu Büchern.


Dabei suche ich nicht nach Formulierungen, die ich übernehmen könnte. Vielmehr hilft mir das Lesen dabei, wieder ein Gefühl für Sprache zu bekommen.

Wie beschreiben andere Autorinnen und Autoren eine Atmosphäre? Wie fühlt sich ein guter Dialog beim Lesen an? Wie werden Emotionen transportiert?



Doch auch Videos können eine gute Inspirationsquelle sein. Ich liebe die Formate, in denen unterschiedliche Menschen zu ihrem Leben befragt werden (zum Beispiel "Frage einen Spezialagenten/ Mörder/Zeugin Jehovas...). Das schafft neue Perspektiven. Auch tiefergehende Gespräche mit Eltern, Geschwistern, Freunden können anregend wirken.


4. Im eigenen Manuskript zurückgehen


Nicht jede Schreibblockade bedeutet, dass ich neue Inspiration brauche.

Manchmal habe ich einfach den Kontakt zu meiner eigenen Geschichte verloren.

Dann gehe ich ein paar Seiten oder Kapitel zurück und lese, was ich bereits geschrieben habe. Was ist gerade passiert? Welche Stimmung herrscht? Welche Konflikte sind noch offen? Wo stehen meine Figuren emotional?


Gerade bei längeren Schreibprojekten hilft mir das enorm. Statt krampfhaft nach vorne zu schauen, gehe ich einen Schritt zurück und finde dort häufig den Faden wieder, den ich verloren habe.


5. Meine Charaktere besser kennenlernen


Dann gibt es die Situationen, in denen die Szene wegen meines Charakters nicht funktioniert. Ich weiß einfach selbst nicht, wie meine Figur handeln würde und so fehlt mir die Fantasie zum Schreiben.


Dann schaue ich mir meine Charaktere nochmal genauer an: Was will diese Person? Wovor hat sie Angst? Was beschäftigt sie gerade? Wie würde sie auf die Situation reagieren?


Je besser ich meine Figuren greifen kann, desto leichter fällt es mir, ihre Geschichte weiterzuerzählen.


Die Frage nach dem „Was passiert als Nächstes?“ löst sich dann wie von alleine.


6. Und manchmal hilft nur eine Pause


Das ist wahrscheinlich der Tipp, den ich selbst am schwierigsten finde. Wenn nichts funktioniert, hilft manchmal nur: aufhören.


Nicht für immer, aber für eine gewisse Zeit bewusst Abstand zur Geschichte nehmen.


Mir tat eine viermonatige Pause gut, weil ich festgestellt habe, dass ich den Spaß am Schreiben meiner Geschichte völlig verloren hatte. Ich war im eigenen Selbstdruck gefangen und der Weg hinaus war die Stopp-Taste zu drücken.


Strand in Thailand bei Sonnenuntergang
Meine Schreibpause verbrachte ich unter anderem in Thailand.

Ich wartete wirklich so lang, bis ich es nicht mehr aushalten konnte, mich an den Schreibtisch zu setzen. Die alte Motivation zurück und dann konnte ich wieder Vollgas geben.


Fazit: Was hilft gegen Schreibblockaden?

Es gibt für mich nicht den einen Trick, mit dem sich jede Schreibblockade lösen lässt. Manchmal brauche ich neue Inspiration, manchmal muss ich wieder näher an meine Figuren heran und manchmal einfach weg vom Manuskript.


Meine wichtigsten Tipps gegen Schreibblockaden sind deshalb:

  • Bewegung und ein Spaziergang können helfen, den Kopf freizubekommen.

  • Freies Schreiben nimmt den Druck, sofort etwas „Gutes“ produzieren zu müssen.

  • Lieblingsbücher können das eigene Gefühl für Sprache wieder anstoßen.

  • Ein Blick zurück ins Manuskript hilft, den roten Faden wiederzufinden.

  • Die eigenen Charaktere noch einmal genauer zu betrachten, kann festgefahrene Szenen lösen.

  • Wenn nichts davon funktioniert, darf die Geschichte auch einfach mal Pause machen.


Am Ende geht es für mich vor allem darum, herauszufinden, warum ich gerade nicht weiterkomme. Denn nicht jede Schreibblockade braucht dieselbe Lösung.


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